Schätzung der Zahl der Wohnungslosen und der von Wohnungslosigkeit Bedrohten

Keine Wohnungslosenstatisik in Deutschland

In Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung, deswegen legt die BAG Wohnungslosenhilfe wie jedes Jahr ihre Schätzung zur Zahl der Wohnungslosen vor. Kern des BAG Schätzmodells ist die Beobachtung der Veränderungen des Wohnungs- und Arbeitsmarktes, der Zuwanderung, der Sozialhilfebedürftigkeit sowie regionaler Wohnungslosenstatistiken. Die Schätzung der BAG differenziert zwischen wohnungslosen Personen in Mehrpersonenhaushalten (Familien, Alleinerziehende, Paare), alleinstehenden Wohnungslosen (Einpersonenhaushalte) und wohnungslosen Aussiedlern in Übergangsunterkünften.

Ab 2007 schätzt die BAG W auch die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen. Aufgrund der schwierigen Datenlage ist eine Schätzung immer nur im Folgejahr möglich, für das aktuelle Jahr kann die BAG W lediglich Tendenzen vorstellen.

Begriffsklärungen

Wohnungsnotfall:

Eine Person ist ein Wohnungsnotfall, wenn sie

  • wohnungslos oder
  • von Wohnungslosigkeit bedroht ist oder
  • in unzumutbaren Wohnverhältnissen lebt

Wohnungslos ist, wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt. Aktuell von Wohnungslosigkeit betroffen sind danach Personen,

im ordnungsrechtlichen Sektor

  • die aufgrund ordnungsrechtlicher Maßnahmen ohne Mietvertrag, d. h. lediglich mit Nutzungsverträgen in Wohnraum eingewiesen oder in Notunterkünften untergebracht werden

im sozialhilferechtlichen Sektor

  • die ohne Mietvertrag untergebracht sind, wobei die Kosten nach Sozialgesetzbuch XII und/oder II übernommen werden
  • die sich in Heimen, Anstalten, Notübernachtungen, Asylen, Frauenhäusern aufhalten, weil keine Wohnung zur Verfügung steht
  • die als Selbstzahler in Billigpensionen leben
  • die bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend unterkommen
  • die ohne jegliche Unterkunft sind, "Platte machen"

im Zuwanderersektor

  • Aussiedler, die noch keinen Mietwohnraum finden können und in Aussiedlerunterkünften untergebracht sind

Anerkannte Asylbewerber in Notunterkünften zählen im Sinne der Definition zwar zu den Wohnungslosen, können aber bei den Wohnungslosenzahlen aufgrund fehlender Daten nicht berücksichtigt werden.

Von Wohnungslosigkeit bedroht ist

  • wem der Verlust der derzeitigen Wohnung unmittelbar bevorsteht wegen Kündigung des Vermieters/der Vermieterin, einer Räumungsklage (auch mit nicht vollstrecktem Räumungstitel) oder einer Zwangsräumung
  • wem der Verlust der derzeitigen Wohnung aus sonstigen zwingenden Gründen unmittelbar bevorsteht (z. B. aufgrund von eskalierten sozialen Konflikten, Gewalt geprägten Lebensumständen oder wegen Abbruch des Hauses)

Schätzung des Umfangs der Wohnungsnotfälle

Es können aufgrund der schlechten Datenlage nur Schätzungen der wohnungslosen Menschen und der von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen vorgelegt werden.

2008 betrug die Zahl dieser Wohnungsnotfälle insgesamt ca. 330.000 (2007: 350.000). Davon gehörten ca. 227.000 (2007: 242.000) zu den Wohnungslosen und ca. 103.000 (2007: 108.000) zu den von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen

Ausmaß der Wohnungslosigkeit 2008

Die Gesamtzahl der in Deutschland wohnungslos gewordenen Menschen ist von 2007 auf 2008 um 6 % gesunken (2007: 242.000; 2008: 227.000). Die Wohnungslosigkeit alleinstehender Menschen (2007: 139.000; 2008: 132.000) hat sich mit 5% etwas weniger abgeschwächt als die Wohnungslosigkeit der Mehrpersonenhaushalte. Von den ca. 223.000 wohnungslosen Menschen leben ca. 41 % in Mehrpersonenhaushalten (Paare und Familien), 59 % sind alleinstehend. Ca. 20.000 Menschen leben ohne jede Unterkunft auf der Straße (2007: ca. 21.000).

Im Osten Deutschlands schätzt die BAG W die Zahl der Wohnungslosen auf ca. 27.000, im Westen auf ca. 196.000 Menschen. Die Zahl der wohnungslosen Aussiedler, die nach Zuwanderung wohnungslos blieben, hat sich aufgrund des drastischen Rückgangs der Zahl der Aussiedler zwischen 1999 und 2008 um ca. 96 % bis auf ca. 4.000 Menschen (2008) verringert.

Bezogen auf die Gesamtgruppe der im Jahr 2008 Wohnungslosen (223.000) schätzt die BAG W den Frauenanteil unter den Wohnungslosen (ohne Aussiedler) auf insgesamt 25 %, das sind ca. 56.000 Frauen, die Zahl der Kinder und Jugendlichen auf ca. 11% (24.000 Personen) und die Zahl der Männer auf ca. 64% (142.000 Personen).

Der Frauenanteil unter den ca. 132.000 Einpersonenhaushalten oder sog. alleinstehenden Wohnungslosen liegt nach unserer Schätzung bei ca. 26 %.

Die Dienste der Wohnungslosenhilfe betreuten 2008 ca. 100.000 Menschen aus diesem Bereich.

Ausmaß der von Wohnungslosigkeit Bedrohten 2008

Zu viele Menschen sind vom Wohnungsverlust unmittelbar bedroht: Nach unserer Schätzung sind dies 2008 ca. 103.000 Menschen (2007:108.000) bzw. ca. 53.000 Haushalte. Die Dienste der frei-gemeinnützigen Wohnungslosenhilfe betreuten 2008 ca. 30.000 Personen aus diesem Bereich.

Ursachen und weitere Entwicklung

Die rückläufige Entwicklung bei den Menschen ohne Wohnung ist in erster Linie auf einen Wohnungsmarkt zurückzuführen, auf dem aufgrund stagnierender Bevölkerungsentwicklung weniger Nachfrager auftreten. Dies gilt aber nur für größere Haushalte; im Bereich der Kleinwohnungen nimmt die Nachfrage aufgrund der fortlaufend steigenden Zahl von Einzel- und Paarhaushalten zu und führt schon in einigen großstädtischen Regionen zu Engpässen.

Einen entscheidenden Beitrag zu rückläufigen Wohnungslosenzahlen leisten auch die Präventionsbemühungen der Kommunen und die Integrationsleistungen der Wohnungslosenhilfe, die mit 1200 Diensten bundesweit Hilfen zur Überwindung von Armut und Wohnungslosigkeit anbietet. Die Wohnungslosenzahlen können nur weiter stabil gehalten oder gesenkt werden, wenn Wohnungslosenhilfe und die Kommunen ihre Anstrengungen bei der Überwindung und Prävention von Wohnungslosigkeit aufrechterhalten und weiter ausbauen.

Zudem müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Wohnkostenübernahme und des Mieterschutzes erhalten bleiben. Sollten die Kündigungsfristen – wie im Koalitionsvertrag verankert – generell auf drei Monate gesenkt und Mietnebenkosten im Rahmen von Hartz IV pauschaliert werden, ist ein Ansteigen der Zahl von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen bzw. wohnungsloser Menschen nicht auszuschließen.

 

Schätzung der Zahl der Wohnungslosen 1999 - 2008 (in tausend)

 
 

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006* 2007* 2008*
Wohnungslose in
Mehrpersonenhaushalten
260 220 200 180 167 148 132 103 97 91
wohnungslose
Einpersonenhaushalte
180 170 150 150 143 144 129 145 139 132
davon ohne jede Unterkunft
auf der Straße
  ca. 24   ca. 20 ca. 20 ca. 20 ca. 19 ca. 18 ca. 21 ca. 20
Wohnungslose in Ein- und Mehrpersonenhaushalten
(ohne wohnungslose Aussiedler)
440 390 350 330 310 292 261 248 236 223
Wohnungslose
Aussiedler
110 110 90 80 65 53 37 8 6 4
Wohnungslose
insgesamt
550 500 440 410 375 345 298 256 242 227
Bandbreite +/-10 % 500 -
610
450 -
550
390 -
480
370 -
450
336 -
412
310 -
380
270 -
330
230 -
281
218 -
266
204 -
250
* Werte für 2006 wurden aufgrund aktualisierter Statistiken rückwirkend korrigiert gegenüber früheren Publikationen.
Quelle: BAG Wohnungslosenhilfe e.V., Bielefeld, den 18. November 2009
 
 
(PDF-Datei 56kB)

 




 

Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe hat deutliche Spuren in der Wohnungslosenhilfe hinterlassen.

BAG Wohnungslosenhilfe e.V. legt aktuellen Statistikbericht 2004 – 2006 vor

Drei Erhebungsjahre wurden für diesen Bericht zusammengefasst, um die Entwicklungen auch in der Zeit zu verdeutlichen. Er ist ein Spiegelbild der Entwicklung in der Klientel der Wohnungslosenhilfe in Deutschland. In den Berichtszeitraum fällt die größte Änderung der Sozialhilfegesetzgebung seit der Einführung des BSHG: die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ab dem 1.1.2005. Diese Entwicklung hat auch in den statistischen Daten deutliche Spuren hinterlassen.

Seit 1992 veröffentlicht die BAG Wohnungslosenhilfe e. V. (BAG W) regelmäßig ihren Statistikbericht zur Lebenssituation alleinstehender Wohnungsloser. Grundlage dieses Berichtes sind große jährliche Stichproben; von mehr als 18.000 Personen der für das Jahr 2006 geschätzten 132.000 (alleinstehenden) Wohnungslosen, die als Hilfesuchende in den Einrichtungen und sozialen Diensten der Freien Wohlfahrtspflege auftraten.

Der Bericht bietet den Diensten und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Deutschland zahlreiche Daten zum Vergleich mit der lokalen oder regionalen Entwicklungen, so dass ein Abgleich mit den durchschnittlichen Entwicklungen auf Bundesebene möglich ist. Abweichungen lokaler und regionaler Daten sind natürlich empirisch möglich und sollten Anlass sein, die besonderen Bedingungen vor Ort zu analysieren, die zu diesen besonderen Entwicklungen geführt haben.

Statistikbericht 2004 – 2006 (PDF-Datei 334kB)

 

 
 
    Schätzung der Zahl der Wohnungslosen