474.000 untergebrachte wohnungslosen Menschen in Deutschland: Keine Trendumkehr bei Wohnungsnot in Sicht
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) warnt vor Normalisierung der Krise – Bundesregierung muss bei Sozial- und Wohnungspolitik deutlich nachbessern
Pressemitteilung
Berlin, 08.07.2025
Die vom Statistischen Bundesamt heute veröffentlichten Zahlen zu den aufgrund von Wohnungslosigkeit untergebrachten Personen in Deutschland zeigen erneut einen Anstieg: Zum Stichtag 31. Januar 2025 474.700 Menschen untergebracht. Die Entwicklung ist besorgniserregend, bereits im Vorjahr hatte die Statistik mit 439.500 untergebrachten Personen einen neuen Höchststand registriert.
Auch die Wohnungslosenstatistik für das Bundesland Nordrhein-Westfalen bestätigt die zunehmende Belastung: Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales legte am 23. Juni 2025 die Zahlen für 2024 vor. Demnach erreichte die Zahl der Menschen ohne eigene Wohnung zum Stichtag 30. Juni 2024 mit 122.170 einen neuen Höchststand – ein Anstieg um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Joachim Krauß, stellvertretender Geschäftsführer der BAG W: „Diese Zahlen sind ein politischer Weckruf. Sie zeigen unmissverständlich: Die Wohnungslosigkeit ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse und politischer Untätigkeit. Wenn jedes Jahr Hunderttausende Menschen ohne Wohnung untergebracht werden müssen, dann ist das kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden, strukturellen Krise, der endlich entschlossen begegnet werden muss.“
Erste Impulse des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
Die BAG W begrüßt die ersten Impulse und das erhöhte Tempo, das das Bundesbauministerium unter Verena Hubertz in den letzten Monaten gesetzt hat. Gleichzeitig appelliert sie an die Bauministerin, den Nationalen Aktionsplan (NAP W) nicht aus den Augen zu verlieren und die Menschen, die in Wohnungs- und Obdachlosigkeit geraten sind, konsequent zu unterstützen.
Susanne Hahmann, Vorsitzende der BAG W: „Wir sehen es als klares Bekenntnis, dass der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. Wenn Wohnungslosigkeit bis 2030 überwunden werden soll, muss der Plan jetzt mit Nachdruck und konkreten Schritten umgesetzt werden – die betroffenen Menschen warten seit Jahren auf Veränderungen.“
Forderungen der BAG W
Die BAG Wohnungslosenhilfe fordert deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum, insbesondere durch den Ausbau des Sozialwohnungsbestands mit langfristiger Bindung und festen Quoten für wohnungslose Menschen. Um effektiv Wohnungsverlust vorzubeugen, braucht es einen stärkeren Mieterschutz und flächendeckend Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlust. Bei eingetretener Wohnungslosigkeit muss es einen rechtlich gesicherten Zugang zu Hilfen – auch für Personen in ordnungsrechtlichen Unterkünften geben. Notunterkünfte dürfen nicht nur der Unterbringung dienen, sondern müssen verbindliche Mindeststandards bei Ausstattung, Schutz und sozialer Unterstützung erfüllen.
Die Realität sieht anders aus, wie Jürgen Schneider, Mitglied der FAG Partizipation, bestätigt: „In einer Notunterkunft fühlt man sich oft wie in einer Warteschleife – ohne Privatsphäre, mit wenig Sicherheit und kaum Perspektive. Man verliert nicht nur seine Wohnung, sondern auch das Gefühl von Stabilität und Selbstbestimmung. Wieder rauszukommen ist unglaublich schwer, weil bezahlbarer Wohnraum kaum zu finden ist und die Unterstützung oft nicht ausreicht.“
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