452.900 untergebrachte wohnungslose Menschen in Deutschland: Wohnungsnot ist verfestigt
Pressemitteilung
Berlin, 26. Juni 2026
Die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Menschen in Deutschland verharrt auf hohem Niveau: Zum Stichtag 31. Januar 2026 waren 452.900 Menschen untergebracht. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) warnt vor einer weiteren Zuspitzung und fordert ein entschiedenes sozial- und wohnungspolitisches Gegensteuern.
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegen nur geringfügig unter dem Höchststand des Vorjahres. 2025 waren mindestens 474.700 Menschen untergebracht. Relevant ist die Verteilung: 41 % der erfassten Menschen sind Kinder und Jugendliche. Die Hälfte (50 %) lebt als Familie, 35 % sind Alleinstehende. Die Geschlechterverteilung liegt bei rund 57 % Männern und rund 42 % Frauen. 85 % haben nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
„Die aktuellen Zahlen belegen, was wir seit Jahren beobachten: Die Wohnungsnot bleibt auf hohem Niveau und politische Gegenmaßnahmen reichen bislang nicht aus, darüber darf der geringe Rückgang nicht hinwegtäuschen“, sagt Sabine Bösing, Geschäftsführerin der BAG W. „Dabei hat sich die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan das Ziel gesetzt, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden. Wir sehen aber keine ausreichende Entwicklung. Im Gegenteil, aktuelle Gesetzesreformen drohen die Wohnungsnot weiter zu verschärfen.“
452.900 untergebrachte wohnungslose Menschen sind ein Warnsignal, sie bilden jedoch nur einen Teil des Gesamtproblems ab. Neben den Menschen, die in Not- und Übergangsunterkünften der Kommunen leben, gibt es obdachlose Menschen ohne Unterkunft sowie wohnungslose Personen, diemetwa bei Angehörigen oder Bekannten unterkommen oder in Einrichtungen wie Haft, Gewaltschutz, Gesundheitssystem, Billigpensionen, Monteurswohnungen oder in Gärten oder auf Campingplätzen leben. Die BAG W schätzte zuletzt für 2024 eine Gesamtzahl von über einer Million wohnungslosen Menschen in Deutschland.
Zusätzlich zeigt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), dass viele Kommunen ihrer Unterbringungspflicht nicht oder nur eingeschränkt nachkommen. Nur rund die Hälfte der Kommunen bringt ortsfremde wohnungslose Personen unter. Noch häufiger ist der Ausschluss bei Ausländer*innen: Nur 23 % der Kommunen gibt an, nicht-deutsche EU- Bürger*innen ohne Leistungsanspruch unbefristet unterzubringen. Ein klarer Rechtsbruch.
Kommunen und Hilfesystem zunehmend unter Druck
In vielen Städten und Gemeinden ist die Belastungsgrenze bereits erreicht. Unterkünfte sind ausgelastet, Personal fehlt, finanzielle Spielräume werden enger. Gleichzeitig steigt der Unterstützungsbedarf weiter an. Laut einer Umfrage der BAG W aus dem Jahr 2025 sind 17 Prozent der Einrichtungen und Dienste der Wohnungsnotfallhilfe bereits von Kürzungen betroffen oder bedroht. Das betrifft sowohl Angebote der Notversorgung als auch präventive Hilfen zur Vermeidung von Wohnungsverlust. Zusätzlich gefährden Kürzungen im sozialen Bereich, etwa beim Wohngeld oder in der neuen Grundsicherung, die Stabilität vieler Haushalte und erhöhen das Risiko von Wohnungsverlusten.
Bezahlbarer Wohnraum ist der zentrale Engpass
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist und bleibt einer der wichtigsten Treiber von Wohnungslosigkeit. Die Mieten steigen und der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft jährlich durch auslaufende Sozialbindungen, während der Neubau weit hinter dem Bedarf zurückbleibt. Die BAG W fordert insbesondere:
- einen deutlichen Ausbau des Bestands an bezahlbaren Wohnungen und Sozialwohnungen mit
- langfristigen Bindungen,
- effektive Maßnahmen zur Begrenzung der Mietpreissteigerung, insbesondere durch Schließen
- bestehender Lücken in der Mietpreisbremse,
- die Stärkung des gesetzlichen Kündigungsschutzes von Mieter*innen,
- verbindliche Wohnraumquoten für akut wohnungslose Menschen,
- den flächendeckenden Ausbau von Präventionsangeboten sowie Zentralen Fachstellen zur
- Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit,
- keine Kürzungen beim Wohngeld und im sozialen Sicherungssystem,
- die konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Wohnungslosigkeit
Pressemitteilung im PDF-Format
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:
Joachim Krauß
Fachreferent und stellv. Geschäftsführer
Tel.: 0170 65 95 075
E-Mail: joachimkrauss@bagw.de
Über die BAG W
Unter dem Dach der BAG Wohnungslosenhilfe e. V. sind bundesweit Einrichtungen und soziale Dienste der Wohnungslosenhilfe sowie der verantwortlichen und zuständigen Sozialorganisationen im privaten und öffentlichen Bereich versammelt. Unsere Mitglieder vertreten insgesamt ca. 1.300 Dienste und Einrichtungen, dazu gehören Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten, ambulante Fachberatungsstellen, Angebote des Betreuten Wohnens, stationäre Einrichtungen, Projekte für junge Erwachsene, spezifische Angebote für wohnungslose Frauen, medizinische Hilfen für Wohnungslose, Betriebe und Projekte zur beruflichen und beschäftigungsbezogenen Qualifizierung und Integration.
