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Hilfen für Menschen in Wohnungsnot | Die BAG Wohnungslosenhilfe ehrt und gedenkt Heinrich Holtmannspötter

Hilfen für Menschen in Wohnungsnot

Mit diesem Titel für den Themenschwerpunkt der vorliegenden Ausgabe ehrt und gedenkt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) Heinrich Holtmannspötter, ihrem langjährigen Geschäftsführer, der am 31. Dezember 2024 in Bielefeld verstorben ist. Er hat über diese 26 Jahre währende Tätigkeit (1977 bis 2003) hinaus, nachhaltig die Entwicklung der bundesdeutschen Hilfen für Menschen in Wohnungsnot beeinflusst. Am wahrnehmbarsten ist die Abkehr vom Begriff der „Nichtsesshaftenhilfe“ hin zur Durchsetzung von „Wohnungslosenhilfe“ und somit auch die seinerzeitige Neubenennung unseres Verbandes. Dabei ging es nicht um die einfache Ersetzung eines Wortes, sondern um die fachlich fundierte und gesellschaftsanalytisch basierte Auseinandersetzung mit den etablierten Hilfestrukturen und den gesellschaftlichen Voraussetzungen von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit sowie um die rechtliche Beachtung.

Zu diesen Fragen soll Heinrich Holtmannspötter noch einmal selbst zu Wort kommen, weshalb sein Beitrag „Entwicklung und Kontinuität der Wohnungslosenhilfe“ aus dem 2003 in dieser Ausgabe zum Neuabdruck kommt. Dem schließt sich eine fachlich-inhaltliche Würdigung seiner Arbeit durch Prof. Falk Roscher an. Auch Dr. Thomas Specht blickt als unmittelbarer Nachfolger von Heinrich Holtmannspötter und zuvor langjähriger Mitarbeiter der BAG W auf dessen Wirken und Leistungen. Pastor Dr. Hartwig Drude hielt die Trauer- und Dankesrede auf Heinrich Holtmannspötter. Diese stellte er uns freundlicher Weise als Auszug zum Abdruck zur Verfügung.
Den Abschluss bildet ein von Jutta Henke angeregtes und protokolliertes Gespräch zum Wirken von Heinrich Holtmannspötter und den Zeitgenossen sowie fachlichen und/ oder auch persönlich nahestehenden Wegbegleitern Karl-Heinz Marciniak, Ernst Glück und Johannes Lippert. Mit Blick auf den „Nachlass“ der Verstorbenen reflektieren die weiteren Gesprächsteilnehmer – Volker Busch-Geertsema, Martin Henke, Ekke-Ulf Ruhstrat, Andreas Sellner und Andreas Wolf – deren Wirken in ihrer Zeit und die daraus abzuleitenden Entwicklungen oder auch Fehlstellen in der Gegenwart. Es sei gestattet, dass wir in dieser besonderen Situation der Autorin und den Autoren des Themenschwerpunktes bzw. auch jenen, die darin zu Wort kommen, besonders für ihre Unterstützung durch die Beiträge danken.

Heinrich Holtmannspötter war auch für diese Zeitschrift redaktionell von 1975 bis 2003 verantwortlich. Unter seiner Leitung erhielt sie im Jahr 1995 ihren heutigen Namen als wohnungslos, mit der Abkehr vom „fachlich und wissenschaftlich längst abgelegte[n] und immer schon abgelegene[n] Namen ‚Gefährdetenhilfe‘ (Holtmannspötter im Editorial zur Ausgabe 1/1995)“. Für ihn entstand auch aus dem Bewusstsein um die historische Verantwortung u. a. der Auftrag zur wissenschaftlich fundierten Begleitung der Praxis. Dem folgen wir auch in dieser Ausgabe mit zwei Beiträgen in der Rubrik Wissenschaft, Forschung und Theorie. Nico Mokros und Merle Stöver präsentieren empirische quantitative Untersuchungsergebnisse zu den Motiven und Mustern der Vorurteilsgewalt gegenüber wohnungslosen Menschen. Diese wirken auch in die Angebote der Hilfen für Menschen in Wohnungsnot hinein. Prof. Nikolaus Meyer und Elke Alsago diskutieren auch vor diesem Hintergrund anhand quantitativer Untersuchungsergebnisse die strukturellen Risiken und professionellen Belastungen in der Wohnungslosenhilfe.

In einem weiteren Beitrag mahnt Dieter Wolfer mit Blick auf die Zielgruppe junger Menschen in besonderen Lebenslagen und mit dem Lebensmittelpunkt Straße vor den Folgen der drohenden Kürzung in der Jugend-, Sozial- und Wohnungslosenhilfe. Den fachlichen Abschluss dieser Ausgabe bildet die rechtliche Erläuterung zur Finanzierung einer stationären Leistung nach § 67 SGB XII für einen heranwachsenden, nichtdeutschen Haftentlassenen durch Dr. Manfred Hammel. Auch er verweist auf Heinrich Holtmannspötter und dessen Einsatz zur Auseinandersetzung mit den rechtlichen Anspruchsgrundlagen bei nichtdeutschen Personen – eine der drängenden Gegenwartsfragen in den Hilfen.

Allen Lesenden wünschen wir eine erholsame Sommerzeit und erkenntnisreiche Lektüre.

Joachim Krauß
Redaktionsleitung wohnungslos