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Gemeinsam für Menschenwürde: Solidarität – Wohnung – Rechtsanspruch

Mehr als eine Million Menschen sind laut Hochrechnung der BAG W 2024 in Deutschland wohnungslos gewesen. Vor diesem Hintergrund fand vom 19. bis 21. November 2025 in Berlin die Bundestagung der BAG W statt – unter dem Titel „Gemeinsam für Menschenwürde – Solidarität – Wohnung – Rechtsanspruch“. Das vorliegende Doppelheft dokumentiert zentrale Beiträge dieser Tagung.

Petra Pau, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D., eröffnet mit der These, dass Wohnungslosigkeit ein Lackmustest für die Demokratie ist – und benennt, warum die Lage heute gefährlicher ist als zur Zeit der Agenda 2010. Karl-Heinz Ruder zeigt, dass der neue BBSR-Leitfaden zur Unterbringung wohnungsloser Menschen mit einer Polizeirechtslehre aus dem 19. Jahrhundert bricht, verfassungsrechtlich zu Recht. Falk Roscher legt grundlegend dar, warum Vorabplanung bei Hilfen nach §§ 67 ff. SGB XII weder gesetzlich vorgeschrieben noch fachlich geeignet ist. Jörn M. Scheuermann beschreibt, wie tragfähige Finanzierungsarchitekturen für Fachberatungsstellen Wohnungsnotfallhilfe gelingen können. Magdalena Otto beleuchtet die menschenrechtlichen Anforderungen an Zwangsräumungsverfahren vor dem Hintergrund der deutschen Praxis. Karsten Krull und Henry Voigt legen empirisch offen, dass die strukturellen Probleme beim Zugang zu SGB-Leistungen kein Einzelphänomen in Berliner Behörden sind. Paul Lemke stellt das Rostocker Projekt MOiNS vor, das Housing First und Wohnraumerhalt unter kommunaler Trägerschaft zusammenführt – mit bereits messbaren Ergebnissen.

Mit „Frauen* auf der Straße“ machen Janita-Marja Juvonen, Manja Starke und Timo Weishaupt Bedarfe sichtbar, die in der Fachdebatte bislang zu selten mitgedacht werden. Michael Wurm richtet den Blick auf die psychische Gesundheit der Fachkräfte und die Möglichkeiten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Aziz Bozkurt und Carolin Jaeger analysieren außerhalb des Themenschwerpunktes im Praxisteil, wo die Berliner Landespolitik im Kampf gegen Wohnungslosigkeit an strukturelle Grenzen stößt. Der Fachausschuss Sozialrecht der BAG W nimmt zum Dreizehnten SGB II-Änderungsgesetz Stellung und weist auf erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken hin.

Im Rechtsteil kommentiert Dr. Manfred Hammel eine Entscheidung des LSG Mecklenburg-Vorpommern zur Mietschuldenübernahme auch bei formal unangemessenen Unterkunftskosten.

Die Dokumentation enthält zwei im Oktober 2025 verabschiedete Fachpapiere der BAG W: zur Rechtsverwirklichung der Hilfen nach §§ 67-69 SGB XII sowie zur Schaffung und Akquise von Wohnraum für wohnungslose Menschen.

Zuletzt ein Hinweis in eigener Sache: Die BAG W vergibt erstmals eine Auszeichnung für Teilhabe in der Wohnungsnotfallhilfe – prämiert werden Angebote, in denen Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung aktiv mitentscheiden. Drei Angebote erhalten je 5.000 Euro; die Preisverleihung findet am 11. September 2026 im Rahmen des Tags der wohnungslosen Menschen in Berlin statt. Bewerbungen bis 29. Mai 2026 – weitere Informationen in dieser Ausgabe auf Seite 48.

Bitte beachten Sie auch das beiliegende Tagungsprogramm für die XVII. Präventions- und Fachstellentagung in Kiel am 15.06.2026.

Die Redaktion dankt allen Autor*innen herzlich für ihre Beiträge und wünscht eine anregende Lektüre.

Joachim Krauß
Redaktionsleitung wohnungslos